Aussenhandel- und Zollseminar
Das Aussenhandel- und Zollseminar ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Treffpunkt der Zollexpertinnen und Zollexperten. Das 1-tägige Seminar findet jeweils im Herbst statt.

4. November 2025 - Lachen, Kanton Schwyz
Das Seminar wurde in diesem Jahr erstmals als Präsenzveranstaltung am neuen Veranstaltungsort in Lachen im Kanton Schwyz durchgeführt. Die Veranstaltung stiess auf durchwegs positive Resonanz und bot den Teilnehmenden eine wertvolle Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit Zollexperten und Branchenkollegen sowie zur Pflege des beruflichen Netzwerks.
Unter der Leitung von Patrick Keller erhielten die Teilnehmenden fundierte und praxisnahe Einblicke in aktuelle Entwicklungen im Zoll- und Aussenhandelsbereich. Behandelt wurden unter anderem folgende Themen:
- CBAM – CO₂-Grenzausgleichssystem der EU:
Auch Schweizer Unternehmen sind künftig verpflichtet, entsprechende Daten zu rapportieren, sofern Waren in die EU exportiert werden. - Zollrechtsreform der EU:
Ziel der Reform ist die Schaffung eines einheitlichen Zollrechts für die gesamte EU. Bislang verfügt jedes Mitgliedsland über eigene nationale Regelungen. Ein umfassendes Reformprojekt wurde lanciert, um die Harmonisierung voranzutreiben. - Aufhebung der Industriezölle in der Schweiz:
Mit dem Wegfall der Industriezölle fallen bei vielen Importen nur noch Mehrwertsteuerabgaben an.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Digitalisierung der Zollprozesse im Rahmen des Schweizer Transformationsprogramms DaziT sowie dem neuen Warenverkehrssystem Passar. Dabei wurde erläutert, dass:
- Zollanmeldungen künftig vollständig digital eingereicht werden,
- Einfuhr-, Ausfuhr- und Transitverfahren elektronisch verarbeitet werden,
- Transport- und Warendaten getrennt erfasst werden,
- Prozesse standardisiert und automatisiert ablaufen.
Im Zusammenhang mit Passar 3.0 wurde insbesondere die weitere Digitalisierung überwachter Verfahren und bisher papierbasierter Prozesse vorgestellt.
Die Ziele von DaziT und Passar umfassen insbesondere:
- die Reduktion des Papieraufwands,
- eine schnellere Zollabwicklung,
- eine verbesserte Nachverfolgbarkeit,
- eine stärkere Automatisierung,
- die Anpassung an internationale Standards,
- sowie eine zentrale digitale Plattform mit automatisierter Kommunikation zwischen Unternehmen, Spediteuren und Zollbehörden.
Darüber hinaus wurde aufgezeigt, dass Unternehmen künftig viele Verzollungsprozesse selbstständig durchführen können und dadurch weniger auf externe Zollagenten angewiesen sind. Gerade für KMU ergibt sich daraus ein erhebliches Einsparpotenzial, da eine Verzollung durch externe Dienstleister durchschnittlich rund CHF 100.– pro Vorgang kostet.
Ein weiterer Themenblock widmete sich dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz und den Möglichkeiten, wie KI Unternehmen künftig bei Zoll- und Aussenhandelsprozessen unterstützen kann.
Ergänzt wurde das Seminar durch praxisorientierte Workshops zu folgenden Themen:
- Bedeutung des Industriezollabbaus für KMU und exportorientierte Unternehmen
- Herausforderungen und Chancen der zukünftigen digitalen Zollabwicklung.